애스크로AIPublic Preview
← 학술논문 검색
학술논문토지공법연구2019.08 발행KCI 피인용 3

Die „drohende Gefahr“: Gefährdung eines rechtsstaatlichen Polizeirechts?

Die „drohende Gefahr“: Gefährdung eines rechtsstaatlichen Polizeirechts?

Ralf P. Schenke(Universität Würzburg)

87권, 1085~1107쪽

초록

Das wichtigste Ziel des deutschen Polizeirechts ist es, Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung abzuwehren. Der Begriff der Gefahr hat im deutschen Polizeirecht eine lange Tradition. Bereits das Preußische Polizeiverwaltungsgesetz von 1931 bestimmte, dass die Polizei nur dann in Rechte der Bürger eingreifen durfte, wenn eine „Gefahr“ vorlag. Unter Gefahr wurde eine Sachlage verstanden, die bei ungehindertem Fortgang den Eintritt eines Schadens ernstlich befürchten lässt. Nach der Rechtsprechung des preußischen Oberverwaltungsgerichts musste die Gefahr zwar nicht unmittelbar bevorstehen. Der Schadenseintritt musste aber mindestens so wahrscheinlich sein wie sein Ausbleiben. An diesem Vorbild haben sich auch die Bundesländer nach 1949 orientiert, denen in der Bundesrepublik die Gesetzgebungskompetenz für das allgemeine Polizeirecht zusteht. Grundsätzlich sind Eingriffe in Grundrechte nur zulässig, wenn eine Gefahr vorliegt. Die bloße Vermutung, eine Situation sei gefährlich, reicht nicht aus. Als Reaktion auf neue Bedrohungen ist dieses klassische rechtsstaatliche Konzept des Polizeirechts in den vergangenen Jahrzehnten fortentwickelt worden. Ausgelöst wurde dieser Wandel durch den Terror der „Rote Armee Fraktion“, die in den 1970er und 1980er Jahren zahlreiche Anschläge auf Politiker und Institutionen des öffentlichen Lebens verübte. Weitere Impulse zur Fortentwicklung des Polizeirecht sind durch den Kampf gegen die sogenannte „organisierte Kriminalität“ ausgegangen, d.h. den organisierten Handel mit Drogen, aber auch dem Menschenhandel. Eine zentrale Zäsur markierten die Anschläge vom 11.9.2001 und der islamistische Terror. Um diesen abzuwehren, sind auch in Deutschland wie in zahlreichen anderen Ländern neue Polizeibefugnisse geschaffen worden. Die neuen polizeilichen Befugnisse erlauben den Polizeibehörden heimliche Grundrechtseingriffe, die der Aufklärung einer Gefahrenlage dienen. Im Unterschied zu den traditionellen Maßnahmen kann die Polizei also bereits im Vorfeld einer Gefahr tätig werden. Dazu müssen hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine Gefahrenlage vorliegen. Beispiele hierfür sind etwa der Einsatz von verdeckten Ermittlern, von Richtmikrophonen oder die Überwachung der Telekommunikation. Eine Reform des bayerischen Polizeirechts vom Juli 2017 geht noch einen Schritt weiter. Gestattet sind nunmehr auch Eingriffe in den Kausalverlauf, die im Fall einer sogenannten drohenden Gefahr auf eine erweiterte Generalklausel gestützt werden können. Der Beitrag diskutiert die Einwände, die gegen die neuen Befugnisse erhoben werden. Kritisiert werden Verletzungen des Bestimmtheitsgebots sowie des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit. Diese Kritik vermag nur in Teilen zu überzeugen. Der Begriff der drohenden Gefahr geht auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zurück. Wenn der Tatbestand der drohenden Gefahr verfassungskonform sehr eng ausgelegt wird, dürfte er sowohl dem Bestimmtheitsgebot wie dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entsprechen. Nicht überzeugend sind die Kritik an Eingriffen in den Kausalverlauf. Bei diesen handelt es sich um offene Maßnahmen, sodass das Verwaltungsverfahrensgesetz Anwendung findet. Damit müssen die Betroffenen angehört werden, die sich gegen den Verdacht verteidigen können. Das hat auch Konsequenzen für den Bestimmtheitsgrundsatz, der bei offenen Maßnahmen in seinen Anforderungen abgesenkt werden kann. Nicht geregelt wurde aber, gegen wen die Maßnahmen zu richten sind. Hier ist der Gesetzgeber aufgerufen, den Tatbestand zu präzisieren.

Abstract

The most important goal of German police law is to avert threats to public safety and order. The concept of danger has a long tradition in German police law. The Prussian Police Administration Act of 1931 already stipulated that the police could only intervene in the rights of citizens if there was a "danger". Danger was understood to mean a situation which, if it continued unhindered, would give rise to serious fears of damage. According to the case law of the Prussian Higher Administrative Court, the danger did not have to be imminent. However, the occurrence of the damage had to be at least as probable as its absence. The federal states after 1949, which in the Federal Republic have the legislative competence for general police law, also oriented themselves on this model. In principle, encroachments on fundamental rights are only permissible if there is a danger. The mere assumption that a situation is dangerous is not sufficient. In response to new threats, this classic constitutional concept of police law has been further developed in recent decades. This change was triggered by the terror of the "Red Army Faction", which carried out numerous attacks on politicians and public institutions in the 1970s and 1980s. Other impulses for the further development of police law came from the fight against so-called "organized crime", i.e. organized drug trafficking, but also human trafficking. The attacks of 11.9.2001 and Islamist terror marked a central turning point. New police powers have been created in Germany, as in many other countries, to ward them off. These new police powers allow the police authorities to secretly interfere with fundamental rights in order to clarify a dangerous situation. In contrast to traditional measures, the police can therefore take action in the run-up to a danger. To this end, there must be sufficient factual indications of a danger situation. Examples include the use of covert investigators, directional microphones or telecommunications surveillance. A reform of Bavarian police law in July 2017 goes one step further. It is now also permitted to intervene in the causal process, which can be based on an extended general clause in the event of imminent danger. The article discusses the objections raised against the new powers. Violations of the principle of certainty and the principle of proportionality are criticized. This criticism is only partially convincing. The concept of imminent danger goes back to the case-law of the Federal Constitutional Court. If the facts of the imminent danger are interpreted very narrowly in accordance with the constitution, they are likely to correspond both to the requirement of certainty and to the principle of proportionality. The criticism of interventions in the causal process is not convincing. These are open measures, so that the Administrative Procedure Act applies. This means that it is necessary to hear the parties concerned, who can defend themselves against the suspicion. This also has consequences for the principle of certainty, which can be lowered in its requirements in the case of open measures. However, it has not been regulated against whom the measures are to be directed. The legislator should clarify the law here.

발행기관:
한국토지공법학회
분류:
법학

AI 법률 상담

이 논문의 주제에 대해 더 알고 싶으신가요?

460만+ 법률 자료에서 관련 판례·법령·해석례를 찾아 답변합니다

AI 상담 시작