Gesellschaftliche Integration und soziale Sicherheit - Eine vergleichende Betrachtung des deutschen und koreanischen Krankenversicherungsrechts
Social Integration and Social Security - A Comparative View of German and Korean Health Insurance Law -
신유철(충남대학교)
34권 1호, 505~560쪽
초록
Nachdem H. Spencer den ursprünglich biologischen Begriff „Integration“ in die Sozialwissenschaft eingeführt hat, ist die gesellschaftliche Integration in der Rechtswissenschaft im Lauf der Geschichte auf verschiedenartiger Ebene diskutiert worden. Die erste Diskussion fand im Zusammenhang mit der Gesetzgebung der Sozialversicherung in der Ära Bismarck. Die Bismarcksche Sozialversicherung ist mit „Zwangsversicherung“ und „Selbstverwaltung“ gekennzeichnet. Eine staatlich garantierte Zwangsversicherung der abhängig Beschäftigten, deren Vermögen vom Staatshaushalt getrennt und selbst verwaltet wird, war offenbar die angemessene Antwort auf typische Nebenwirkungen der Industriellen Revolution. Die Bismarcksche Sozialgesetzgebung von 1883 bis 1889 ist neben dem Bürgerlichen Gesetzbuch von 1896 die bedeutendste gesetzgeberische Leistung des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Dadurch wurde Deutschland zum „Pionierland“ der staatlich initiierten und garantierten Sozialversicherung. Soziale Sicherheit ist ein „Sammelbegriff“ von Sozialleistungen. Das „System“ sozialer Sicherheit ist ein historisch gewachsenes, und deshalb nur historisch erklärbares System, und stellt kein System im naturwissenschaftlichen oder im philosophischen Sinne dar. In dem System der sozialen Sicherheit bildet die Sozialversicherung die wichtigste Grundsäule und den größten Bestandteil von gesamten Sozialleistungen. Als Sozialversicherungen sind in Deutschland - in historischer Reihenfolge - die gesetzliche Krankenversicherung (1883), die gesetzliche Unfallversicherung (1884) und die Rentenversicherung (1889), die Arbeitslosenversicherung (1927), und die Pflegeversicherung (1994) eingeführt worden. Diese fünf Zweige der Sozialversicherung sind seit 1988 in das neue Sozialgesetzbuch (SGB) integriert. In Korea hat die Sozialversicherung eine relativ kurze Geschichte. Die fünf Zweige der Sozialversicherung sind seit 1963 bis 2007 eingeführt worden. Das deutsche System der Sozialversicherung hat dabei dem koreanischen Gesetzgeber eine Orientierungshilfe dargeboten. In Korea gibt es aber noch keine Gesetzesregelung für den Allgemeinen Teil der Sozialversicherung, geschweige denn ein umfassenderes Sozialgesetzbuch. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Deutschland wird bald 140 Jahe alt. Ihre Grundprinzipien, Solidarität und Selbstverwaltung, sind unverändert geblieben, obwohl unzählige Reformen bzw. Reformversuche seither stattgefunden haben. Das deutsche System der GKV zeichnet sich durch seine bemerkenswerte Resilienz und strukturelle Kontinuität aus. Die GKV ist in Korea erst 1977 eingeführt worden. Die koreanische GKV ist organisatorisch, im Gegensatz zur deutschen GKV, von den einkommensstarken auf die einkommensschwachen Mitglieder erweitert worden. Die Finanzlage der GKV wurde daher im Zuge der Erweiterung immer weiter verschlechtert; der Versicherungsschutz wurde damit im Lauf der Zeit immer ungenügender. Aber dank der wirtschaftlichen Entwicklung und der damit verbundenen Verbesserung der Finanzlage der GKV konnte der Leistungskatalog sukzessiv verbessert werden, jedoch immer mit einem zeitlichen Abstand. Außerdem ist die Selbstbeteiligung der Versicherten in Korea relativ hoch. Solidarität und Eigenverantwortung sind die Gestaltungsprinzipien der gesetzlichen Krankenversicherung. In der deutschen GKV hat das Solidaritätsprinzip ein klares Übergewicht; die koreanische GKV betont stillschweigend das Prinzip der Eigenverantwortung. Die Unterschiede der beiden Systeme der GKV beruhen in erster Linie auf ihren historischen Entwicklungen. Ähnlich wie die Wirtschaft ist das koreanische System der Sozialversicherung in relativ kurzem Zeitraum herangewachsen. Die wesentlichen Unterschiede beider Systeme der GKV liegen nicht nur in der Trägerschaft der GKV, sondern vielmehr in der schwachen Selbstverwaltung und der mangelnden Parität bei der koreanischen GKV, und zwar sowohl in den Entscheidungsgremien der Versicherungsanstalt, als auch in den Tarifverträgen zwischen der monopolartigen Versicherungsanstalt und den Verbänden der Leistungserbringer. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Verbände der Leistungserbringer schwach struktuiert sind und wenige Befugnisse haben. Um diese Mängel zu beheben und um die Selbstverwaltung in der GKV zu verstärken, sollte der koreanische Gesetzgeber einerseits eine gewisse Distanz der Versicherungsanstalt von der Staatsverwaltung gewähren und andererseits den Verbänden der Leistungserbringer mehr Macht verleihen und diese gleichzeitig dazu veranlassen, ihre Organisationsstruktur mit demokratischer Beteiligung zu verbessern. Ein Grundproblem der koreanischen GKV, das der Gesetzgeber noch zu lösen hat, ist die dualistische Methode der Beitragserhebung. Die Mitglieder der koreanischen GKV sind in zwei Kategorien eingeteilt: in die Betriebskrankenkasse und in die Ortskrankenkasse. Je nach Kategorie werden die Beiträge von den Mitgliedern unterschiedlich erhoben, so dass die Versicherten der Betriebskrankenkasse zugunsten derjenigen der Ortskrankenkasse überbelastet werden.
Abstract
After H. Spencer introduced the originally biological term “integration” into social science, social integration in jurisprudence has been discussed at various levels throughout history. The first discussion took place in connection with the legislation of social insurance in the Bismarck era. Bismarck’s social insurance is marked with “compulsory insurance” and “self-administration”. A state-guaranteed compulsory insurance for dependent employees, whose assets are separated from the state budget and managed themselves, was apparently the appropriate answer to typical side effects of the Industrial Revolution. Alongside the Civil Code (BGB) of 1896, Bismarck’s social legislation from 1883 to 1889 is the most important legislative achievement of the late 19th century. As a result, Germany became a “pioneering country” in state-initiated and guaranteed social insurance. Social security is a “collective term” for social benefits. The “system” of social security is a historically grown system and can therefore only be explained historically, and does not represent a system in the scientific or philosophical sense. In the social security system, social insurance is the most important pillar and the largest part of overall social benefits. In historical order, statutory health insurance (1883), statutory accident insurance (1884) and pension insurance (1889), unemployment insurance (1927) and long-term care insurance (1994) were introduced as social insurances in Germany. These five branches of social insurance have been integrated into the new Social Security Code (SGB) since 1988. In Korea, social insurance has a relatively short history. The five branches of social insurance have been introduced from 1963 to 2007. The German social insurance system has provided the Korean legislature with guidance. In Korea, however, there is still no legal regulation for the general part of social insurance, let alone a more comprehensive social security code. Statutory health insurance (SHI) in Germany will soon be 140 years old. Its basic principles, solidarity and self-administration, have remained unchanged, although countless reforms or reform attempts have taken place since then. The German system of SHI is characterized by its remarkable resilience and structural continuity. SHI was only introduced in Korea in 1977. In organizational terms, the Korean SHI, in contrast to the German SHI, has been expanded from highincome to low-income members. The financial situation of the SHI has therefore continued to deteriorate in the course of the expansion; the insurance protection became less and less sufficient over time. But thanks to the economic development and the associated improvement in the financial situation of the SHI, the service catalog could be gradually improved, but always with a time lag. In addition, the deductible of the insured in Korea is relatively high. Solidarity and personal responsibility are the design principles of statutory health insurance. In the German SHI, the principle of solidarity has a clear preponderance; the Korean SHI tacitly emphasizes the principle of personal responsibility. The differences between the two systems of statutory health insurance are primarily based on their historical developments. Similar to the economy, the Korean social insurance system has grown up in a relatively short period of time. The main differences between the two systems of statutory health insurance lie not only in the organizing institution of the SHI, but rather in the weak self-administration and the lack of parity in the Korean SHI, namely both in the decision-making bodies of the insurance institution and in the collective agreements between the monopolistic insurance institution and the associations of service providers. This is also due to the fact that the associations of service providers are weakly structured and have few powers. In order to remedy these deficiencies and to strengthen self-administration in the statutory health insurance, the Korean legislature should on the one hand grant a certain distance between the insurance institution and the state administration, and on the other hand give more power to the associations of service providers and at the same time encourage them to improve their organizational structure with democratic participation. A fundamental problem of the Korean SHI, which the legislature still has to solve, is the dualistic method of collecting contributions. The members of the Korean SHI are divided into two categories: the company health insurance and the local health insurance. Depending on the category, the contributions are collected differently from the members, so that those insured with the company health insurance are overburdened in favor of those with the local health insurance.
- 발행기관:
- 법학연구소
- 분류:
- 법학