Über den Legislativbedarf aufgrund der Verfassungswidrigkeit der „Sonderausnahme für Verwandte“ gemäß § 328 Abs. 1 des koreanischen Strafgesetzbuchs
On the need for legislative action due to the unconstitutionality of the „Special Exception for Relatives“ pursuant to Article 328 (1) of the Korean Criminal Code
이정념(Juristische Fakultät, Soongsil Universität)
34권 3호, 3~32쪽
초록
Das koreanische Verfassungsgericht hat am 27. Juni 2024 einstimmig entschieden, dass § 328 Abs. 1 des koreanischen Strafgesetzbuches (KStGB) verfassungswidrig ist. Die im Jahre 1953 eingeführte, in § 328 Abs. 1 KStGB enthaltene Klausel „Sonderausnahme für Verwandte“ nimmt Diebstahl, Betrug, Unterschlagung und weitere Vermögenstraftaten zwischen Verwandten - d. h. Ehegatten, Blutverwandten und Verschwägerten - pauschal von der Bestrafung aus. Nach der aktuellen Entscheidung des koreanischen Verfassungsgerichts wurde dem koreanischen Gesetzgeber eine Frist bis zum 31. Dezember 2025 zur Neuregelung von § 328 Abs. 1 KStGB gesetzt. Im deutschen Strafgesetzbuch existiert die Norm „Haus- und Familiendiebstahl“ gemäß § 247 StGB zur Auflösung des auch in der deutschen Rechtslage existierenden Spannungsverhältnisses zwischen staatlichem Strafanspruch und der Rücksicht auf enge persönliche Beziehungen, die im Rahmen der privatautonomen Lebensgestaltung ohne Eingriff des Staates gestaltet werden können. Der Aufsatz zeigt im Rahmen einer rechtvergleichenden Analyse zwischen deutscher und koreanischer Rechtslage auf, dass der in § 247 DStGB geregelte Tatbestand eine angemessene Regelung enthält, um so eine Neuregelung für eine Alternative zu § 328 Abs. 1 KStGB nach den Vorgaben des koreanischen Verfassungsgerichts vorzuschlagen. Insbesondere schlägt der Aufsatz konkret vor, dass der koreanische Gesetzgeber die Norm als Antragsdelikt ausgestaltet und den besonderen Schutz des häuslichen Zusammenwohnens unter Berücksichtigung der legislativen Zielsetzung vom § 247 DStGB auf alle Fallgestaltungen erweitert, in denen Hausbewohner freiwillig wechselseitige Verpflichtungen tragen.
Abstract
On June 27, 2024, the Korean Constitutional Court unanimously ruled that Article 328 (1) of the Korean Criminal Code (KCC) is unconstitutional. The „Special Exception for Relatives“ clause contained in Article 328 (1) of the KCC, introduced in 1953, generally exempts theft, fraud, embezzlement and other property crimes between relatives - i.e. spouses, blood relatives and in-laws - from punishment. According to the current decision of the Korean Constitutional Court, the Korean legislature was given a deadline of December 31, 2025 to amend Article 328 (1) of the KCC. The German Criminal Code contains the norm „Theft from relatives or persons living in same household“ pursuant to Article 247 of the Criminal Code to resolve the tension that also exists in German law between state penal law and consideration for close personal relationships that can be organised within the framework of private, autonomous living without state intervention. The article shows, as part of a comparative legal analysis of German and Korean law, that the offense regulated in Article 247 of the German Criminal Code contains an appropriate regulation and proposes a new regulation for an alternative to Article 328 (1) of the KCC in accordance with the requirements of the Korean Constitutional Court. In particular, the article specifically proposes that prosecution should only be possible in case of a complaint and that the Korean legislature should extend the special protection of domestic cohabitation to all cases in which house residents voluntarily assume mutual obligations, taking into account the legislative objective of Article 247 of the German Criminal Code.
- 발행기관:
- 한독사회과학회
- 분류:
- 지역학